Das Zweite Vatikanische Konzil hat beschlossen, der Zukunft mit einem modernen Geist ins Gesicht zu sehen und sich für die moderne Kultur zu öffnen. Die Konzilsväter wussten, dass Öffnung zur modernen Kultur religiöse Ökumene bedeuten wird – und Dialog mit den Nichtglaubenden. Seitdem ist jedoch sehr wenig in diese Richtung getan worden. Ich habe die Demut und den Ehrgeiz, es tun zu wollen.

Jorge Bergoglio, Papst Franziskus


St. Andrä in Graz hat unter den insgesamt 388 Pfarren der territorial größten Diözese Österreichs ein unverwechselbares Profil. Der gesamte gesellschaftliche Wandel in den vergangenen 50 Jahren hat sich hier weitaus stärker ausgeprägt als in den meisten anderen Pfarren der Landeshauptstadt. Die soziale Struktur ist bunter, die religiöse Pluralität stärker als anderswo. All das und die materielle wie spirituelle Armut vieler Menschen, die hier wohnen, sind eine Herausforderung, der sich die Pfarre gestellt hat. Hier wird eine katholische Synthese versucht, in welcher auch Kunst, alte und zeitgenössische Kunst, ihren Platz hat. Der Pfarrer ist nicht nur ein Seel- und Leibsorger wie andere sehr engagierte Pfarrer. Er zeigt auch vielen Menschen die Kunst als „das andere Brot“, ein geistliches Lebensmittel, das wir ebenso brauchen. Darüber informiert das hier vorgelegte Buch, und ich danke allen, die zu seinem Entstehen beigetragen haben.

-- Egon Kapellari, Diözesanbischof Graz-Seckau


Warum eigentlich Kunst im Kirchenraum? Kunst steigert Vitalität. Die Kirche ist als Gottesort der natürliche Umschlagplatz für alle Fragen, die die menschliche Existenz betreffen. Kunst verstört und attackiert. Gegen die Banalisierung des Lebens und gegen alle gesellschaftlichen Tendenzen zur Ver­flachung von Lebenswahrnehmung verbünden sich Kunst und Kirche. Kunst provoziert Aufmerk­samkeit. Aufmerksamkeit ist ein anderes Wort für Heiligkeit (Simone Weil). Das Andere und den Anderen, das Unerwartete und den Unerwarteten, das Fremde und den Fremden so weit wie möglich ansehen, aushalten und wertschätzen lernen – dafür ist die Beschäftigung mit zeitgenössischer Kunst eine unersetzliche Schule. Kunst ermöglicht Nähe – genaues Sehen, genaues Hören, genaues Wahrnehmen, Begegnen. Kunst solidarisiert – denn es gibt nur eine Menschheit und nur einen Gott.

-- Hermann Glettler, Pfarrer von St. Andrä, Graz